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Kochschule und Kulturbühne:
Neues Leben im Hellhof
Kronberger Bote, 09. September 2010

Kronberg (mw) – Unterhalb der Burg liegt er, der vermutlich vom Flügelstamm des Kronberger Rittergeschlechts erbaute Adelshof mit Turm, bekannt als „Hellhof“. Seit dem 19. Jahrhundert in bürgerlichem Besitz, war er zunehmend vom Verfall bedroht, wurde aber 1965 durch den Erwerb des Kronberger Ehrenbürger Julius Hembus quasi gerettet. Er bewahrte den Turm durch eine vollständige Sanierung vor dem Abriss und renovierte auch die Kellergewölbe. Etwa vierzig Jahre lang hat sich der Hellhof nun, auch außerhalb von Kronberg, als Kunstgalerie einen Namen gemacht, viele Jahre lang betrieben die folgenden Besitzer, das Ehepaar Elisabeth und Hubert Käfer, die Galerie Hellhof. Die beiden suchten schon seit längerem nach einem geeigneten Pächter. Seit zwei Jahren nun war Elisabeth Käfer nach dem Tod ihres Mannes allein auf der Suche nach einem Mieter, nach wie vor mit dem Wunsch, das Haus möglichst als Galerie fortbestehen zu lassen. Wie es aussieht, könnte das nun gelungen sein: Der Hellhof hat einen neuen Pächter. Es ist der 45-jährige Koch und „Frankfurter Bub“, Dieter B. Schmidt, der unter den Starköchen Deutschlands zu finden ist und dort als „hessischer Rohdiamant“ beschrieben wird. Er will aus dem Hellhof „einen Raum für Ihren Geschmack“ machen und ist bereits inmitten der Umgestaltung der Räumlichkeiten für sein vielseitiges Konzept. „Es wird hier drei Bereiche geben, die Kunst und Kultur, die Kochküche und einen Genussladen“, erklärt er, was bis Ende September „Hand und Fuß“ bekommen soll.

Schon länger geht Dieter B. Schmidt, ganz neue eher ungewöhnliche Wege, der 1997 im „De France“ in Wiesbaden zum Aufsteiger des Jahres 1997 gekürt wurde und sich dort später als Küchenchef 15 Punkte im Gault Millau holte, unter dessen Leitung das Restaurant „Le Maitre“ in Dreieich zu den 100 Besten in ganz Deutschland gehörte und der unter anderem drei Jahre lang auf Sylt Küchenchef zwei renommierter Restaurants war. Und zwar mit „Private- Dining“-Veranstaltungen und seiner sogenannten „kulinarischen Affäre“, einer Kochshow. „Schon länger war ich auf der Suche nach einer schönen Kulturstätte für meine Events“, sagt er. „Mit dem Hellhof habe ich nun genau das gefunden, was ich gesucht habe: Einen Ort, der Platz für viele Ideen gibt.“ So will der Starkoch hier unterschiedliche Kochkurse anbieten. „Beispielsweise einen Single-Kochkurs und einen für die Gastgeberin, der es an der nötigen Organisation fehlt, damit sie selbst etwas von ihrer Einladung hat“, erklärt er schmunzelnd. „Genauso habe ich aber geplant, hier Kurse von Profis für Profis anzubieten.“ Gleichzeitig will er seine vielseitigen Querverbindungen zur Kulturszene nutzen, um renommierte Künstler in den Räumen vorzustellen. Er hat sich dazu – 24 Wochen im Jahr Ausstellungen zu zeigen – sogar vertraglich verpflichtet.

„Ich denke, wir haben hier sehr viele Möglichkeiten, gerade was die Kultur betrifft.“ So wie der Hellhof zu Kronberg gehöre, gehöre auch die Kunst zum
Hellhof. „Wir werden sicherlich viele Wege finden, um hier Verbindungen zu schaffen, von denen alle Seiten profitieren.“ Im Eingangsbereich plant der Koch einen Genussladen mit Weinen, Spirituosen und Feinkost, der unter der Woche jeden Tag geöffnet werden soll. „Zusätzlich wird es Kochkurse und Koch-Shows geben sowie Kulturveranstaltungen und Ausstellungen. „Eine reine Galerie zu führen, ist heute äußerst schwierig“, meint er. „Aber in der Vereinigung von Genuss, Kunst und Kultur spreche ich alle Menschen an“. Und somit ist guten Mutes, damit auch die Kronberger anzusprechen. „Mir ist es wichtig, eins mit Kronberg zu werden. Ich freue mich über jeden Kronberger, der auf mich zukommt“, sagt er. Natürlich wolle man aus dem Hellhof keine Diskothek machen, aber doch mit den unterschiedlichsten Abenden, von der Lesung bis zum Chansonabend für einen lebendigen Kultur- und Kochtempel sorgen. „Und als Vizepräsident der „Chef Heads“, dem Club der Küchenchefs, wünsche ich mir schon seit langem einen Kommunikationsort, an dem man sich zum gemütlichen Austausch treffen kann. Schmidt freut sich auch auf das Zusammenwirken mit den Kronbergern. Zur Kulturnacht wird er seine Pforten für jedermann öffnen – Albert Völkl wird dort wie bereits schon einige Male zuvor in den altehrwürdigen Gemäuern, die dann aber in einem völlig neuen und sicherlich ungewohntem Gewand präsentiert werden, sein Schattentheater spielen. „Und nach der Veranstaltung treffen sich alle Künstler hier.“ Auch einen „super“ Jazzmusiker hat er bereits schon für die Herbstsaison in im Visier.

Schmidt lässt die Räume derzeit komplett umgestalten, im Kaminraum sind bereits die alten Felswände wieder freigelegt, und die zuvor weißen Wände erhalten Farbakzente in Lila und Grün. Mit Markus Wasse hat er sich außerdem einen Farb- und Designspezialisten ins Haus geholt. „Sie dürfen also gespannt sein auf den neuen Hellhof, denn den alten, so wie ihn viele kennen, wird es nicht mehr geben.“ Überall werden Lichtpunkte gesetzt, er will die wunderschönen und ganz unterschiedlichen Räume mittels verschiedener Lichteffekte selbst als Kunstobjekte sprechen lassen. Fest steht heute schon, dass der Feinkostladen im Entrée täglich geöffnet haben soll. „Ob ich die Galerieräume allerdings bei Ausstellungen auch sonntags öffnen werde, hängt vom Gewerbeamt ab“, so der dynamische Koch, der Kochen als „absoluten Genuss, sehr emotional und sehr erotisch“ beschreibt. „Ich werde mich kaum am Sonntag als Ausstellungswächter hierher setzen, um den Besuchern dann zu erklären, dass ich ihnen heute leider keine Delikatessen aus meinem Genussladen zum Verkauf anbieten kann.“

Schmidt freut sich darauf, im Hellhof vieles ausprobieren zu können. „Ich fordere übrigens gerne heraus und provoziere“, teilt er lachend mit. „Wer in meinen Kochkurs kommt, von dem erwarte ich, dass er alles einmal wertfrei
probiert.“ Er will die Konzentration wieder auf das Essen lenken. Den Deutschen mangele es am Genuss. „Ich bin wohl ein hessischer Frankophile“, so Schmidt, dem es nicht gefällt, wie „die Deutschen“ ihr Essen herunterschlingen. „Oftmals wissen sie nur, dass es ihnen geschmeckt hat, aber gar nicht, was sie gegessen haben“, sagt der vielseitige Koch, der seinen Beruf nunmehr seit 30 Jahren mit ungebrochenem Elan ausübt. „Ich sehe mich ganz stark auch als Wissensvermittler einer Essenskultur“, erläutert er, die es wert sei, auch den Kindern weiterzugeben. „Unsere Kinder wissen nicht, wie eine gute Karotte oder ein feiner Kohlrabi schmeckt“, sagt er, „wenn wir es ihnen nicht vorleben. „Ein Event muss nicht immer groß sein und ein Drei-Gänge-Menü beinhalten, es kann auch zu Hause mit der Familie stattfinden, zum Beispiel wenn ich wirklich gutes Brot vom Bäcker meines Vertrauens hole, einen feinen Schinken und geschöpfte Butter dazu oder eine leckere Tomate aufschneide und ein paar Kerzen dazu stelle!“

Die Kronberger dürfen gespannt sein auf das neue Konzept.

Quelle: Kronberger Bote >>

Buch
Dieter B. Schmidt hat mit dem Hellhof die passende Location für sein Konzept, Kunst, Kultur und Kulinarisches zu verbinden, gefunden. Der alte
Adelshof aus dem 14. Jahrhundert mit seinen fünf Räumen bietet die Möglichkeit, Veranstaltungen, Feste und Jubiläen für bis zu 100 Personen
durchzuführen.

 



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